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Geschichte

Woltmershausen wird in den Quellen zum ersten Mal 1244 erwähnt. Der Name Woltimereshusen geht auf einen fränkischen Adeligen zurück, der vermutlich bereits im 9. Jahrhundert links der Weser Ländereien vom König zugewiesen bekam. Rablinghausen kam auf ähnliche Weise zu seinem Namen: Ratteringhusen oder Ratbringhusen bezieht sich auf die Siedlung eines Ratibers.

Das Gebiet im Niedervieland, zu dem die Dörfer Woltmershausen, Rablinghausen, Lankenau, Strom, Seehausen und Hasenbüren gehörten, war für eine Besiedlung denkbar schlecht geeignet, weil es nur knapp über Meeresspiegelniveau liegt. Entsprechend sumpfig waren die Böden, worauf das niederdeutsche vie verweist. Erst durch die Kolonisation, d.h. das Ziehen von Entwässerungsgräben und die Eindeichung, konnten das Land trockengelegt und nutzbar gemacht werden.

Bis zur Wende zum 20. Jahrhundert war Woltmershausen ländlich geprägt. Vor allem Bauern und kleine Handwerker lebten im Niedervieland. Die Eingemeindung von Woltmershausen erfolgte 1902, Rablinghausen wurde 1921 Stadtgebiet. Davor lagen die Dörfer zwar ausserhalb der Stadttore, gehörten aber zu den Bremischen Landgebieten, die vom Rat und seit 1814 von den Landherren verwaltet wurden. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen zogen sich die Dorfbewohner hinter die Mauern der Stadt zurück. Ihre Höfe und Häuser blieben ohne Schutz. Bei der schwedischen Belagerung 1666 ergriff der Bremer Rat radikale Maßnahmen. Um freies Schussfeld auf die Gegner zu haben, wurden alle Gebäude, Bäume, Hecken und Büsche in Woltmershausen abgerissen, die Bewohner erhielten keine Entschädigung für den Verlust ihres Eigentums.

Der Wandel in der Bevölkerungsstruktur begann Ende des 19. Jahrhunderts. Die Einführung der Gewerbefreiheit 1860/61 und der Freizügigkeit (=freies Zuzugsrecht) erlaubte jedem, sich dort niederzulassen, wo er ein Auskommen fand. Der Ausbau der Häfen auf der rechten Uferseite schuf Arbeitsplätze, die mit Fähren und kleinen Ruderbooten schnell zu erreichen waren. Die Mieten in Woltmershausen konnten sich auch Arbeiter leisten und viele zogen in den Stadtteil. Die Statistik nennt für Woltmershausen 339 Einwohner im Jahre 1812, 1867 sind es bereits 1456. Um die Jahrhundertwende stieg die Zahl auf etwa 6000. Entlang der Woltmershauser Straße entstanden Nebenstraßen mit kleinen Arbeiterhäusern, als erste Stichstraße ins offene Feld wurde um 1880 die Eichenstraße gebaut. Immer mehr Familien zogen hierher und Schulen mussten errichtet werden. Die Volkschule an der Rechtenflether Straße öffnete 1905 ihre Pforten, ein Jahr später bekam Woltmershausen seine eigene Kirche, nachdem es jahrhundertelang zum Rablinghauser Kirchspiel gehört hatte.

Im Stadtteil siedelte sich vermehrt Industrie an. Die Gaswerke verlegten ihre Betriebsstätten nach Woltmershausen, die Gaserzeugung begann im November 1901. Die Tabakfabrik Brinkmann öffnet ihre Werkstore. Die Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik, aus der 1911 die Atlas-Werke entstanden, entstand 1902 auf der Stefanikirchenweide und bot bereits vor dem Ersten Weltkrieg etwa 2000 Arbeitsplätze. Im Gebiet um den Sicherheitshafen entstanden Packhäuser und kleine Industrieanlagen, die Bremer Lagerhaus Gesellschaft baute dort mehrere Schuppen. Der Holzhandel breitete sich aus. Die Einweihung des „Weserbahnhofs“ auf der Stephanikirchenweide 1860 garantierte den Anschluss an das überregionale Eisenbahnnetz. Die Pferdebahn verband die Vorstadt mit der Innenstadt, 1901 wurde daraus die „Elektrische“. Die Straßenbahnlinie 7 fuhr bis 1967 bis nach Rablinghausen, heute übernehmen Linienbusse den Transfer in die Stadt.

Parallel zu dieser Entwicklung errang sich der Stadtteil einen Ruf als Naherholungsgebiet. Von der Timmermann’schen Badeanstalt im vorderen Woltmershausen bis nach Lankenau säumten feine Sandstrände das Weserufer. Auch von ausserhalb kamen die Erholungsbedürftigen, besonders aus den Ortsteilen Walle und Gröpelingen. Für das leibliche Wohl der Gäste wurde in den zahlreiche Gaststätten und Kneipen gesorgt, Woltmershausen, so sagt man, hatte den längsten Tresen Bremens.

Der Zweite Weltkrieg setzte dem Badeleben ein Ende. Zahlreiche Bomben vielen auf das Gebiet, das direkt in der Einflugschneise zu den Hafenanlagen und den kriegswichtigen Produktionsstätten am rechten Weserufer lag. Mit dem Wiederaufbau wandelte sich das Gesicht des Stadtteils. Ab 1960 beschloss man den Bau des Neustädter Hafens, das Dorf Lankenau verschwand, die etwa 300 Bewohner wurden enteignet. Gleichzeitig stärkte man den verkehrlichen und wirtschaftlichen Aspekt der Weser. Die Ufer wurden befestigt, die Sandstrände verschwanden. Ursprünglich plante man links der Weser weitere Hafenbecken. Nach dem Aufkommen der Container wurden sie nicht mehr gebraucht, weil heute 99% aller Waren in Bremerhaven umgeschlagen werden. Ein neuer Flächennutzungsplan machte die Ansiedlung von Logistikunternehmen, Speditionen und produzierendem Gewerbe im Niedervieland möglich, 1985 wurde das Güterverkehrszentrum eingeweiht. Seit 2002 sind es 110 Unternehmen. Die Umsatzzahlen im Neustädter Hafen steigen wieder, die Konzentration auf den Stückguttransport bedingt die gute Auslastung. Spezialgüter wie Stahl, Eisen oder Holz, die wegen ihrer Ausmaße nicht in Containern transportiert werden können, werden hier verladen.

Ein 110 Hektar großes Areal des südwestlichen Niedervielandes ist Naturschutzgebiet, dazu kommen 15 Hektar Feuchtwiesen für die Umsiedlung von Flora und Fauna. Für die Bewohner von Woltmershausen und Rablinghausen entstand als Ausgleichsmaßnahme für den Verlust des Naherholungsgebietes der Weseruferpark mit fast vier Kilometern Wanderwegen. Woltmershausen ist ein langgestreckter Stadtteil an der Weser. Damit Ebbe und Flut erlebbar werden, ist im Ortsteil Rablinghausen ein Uferbereich aufwändig renaturiert worden. Ein Spiel- und Wassergarten mit einer großzügigen Wassertreppe in die Weser ist gebaut worden. Später soll Raum für Kunst und Kultur dazukommen, um dem Stadtteil einen Teil jener Lebensqualität zurückzugeben, den er in den 1960er Jahren verlor.