Sie sind hier:

Geschichte

Die Neustadt als der größte Stadtteil der Freien Hansestadt Bremen beging im Jahre 2008 ihren 385. Geburtstag. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Geburtsstunde der Neustadt und widmen wir uns anschließend der Gegenwart.

Am 27. August 1623 beginnen die Bauarbeiten für eine der modernsten Verteidigungsanlagen Deutschlands. Nach den Plänen des Festungsbaumeisters Johann van Valckenburgh entsteht zum Schutz der bremischen Bevölkerung auf dem linken Weserufer eine große Festungsanlage. Die Bauarbeiten werden zum Festpreis von 102.000 Bremer Mark 1627 abgeschlossen. 37 Jahre später wird die Festungsanlage um die achte Bastion zwischen Großer und Kleiner Weser ergänzt.

Der Plan von Valckenburgh sieht innerhalb der Befestigung ein schachbrettartiges Straßensystem mit einem großen quadratischen Marktplatz in der Mitte vor. Aber die Besiedlung der Neustadt kommt nur langsam voran. Es entstehen drei größere Längsachsen, und zwar erstens die Grünenstraße, zweitens die Große Sortillen-Wester- und Osterstraße so wie drittens die Große Johannisstraße.

Diese Längsstraßen werden im rechten Winkel von Querstraßen geschnitten. Die von der Kleinen Weser-Brücke kommende Brautstraße zählt zu den wichtigsten Querstraßen und findet am heutigen Neuen Markt ihre Fortsetzung.

Seit 1967 befindet sich auf dem Neuen Markt der von den Neustädtern liebevoll genannte "Kleine Roland", der seinen Blick auf die Martinikirche in der Altstadt gerichtet hat.

Die Neustadt entwickelt sich nur sehr langsam. Die Bürgerschaft stellt 1638 lapidar fest, dass "die Neustadt zu jedermanns Despekt und nicht geringer Verwunderung den Winter über im Wasser schwimmen, des Sommers aber mit Schafen, Schweinen und Kühen bestellt sei". Die Einwohnerzahl ist in den ersten Jahren sehr gering und soll "in der Zeit schwerer Gefahren" aus einem männlichen Wachdienst von 60 Personen bestanden haben, d. h. dass Anfangs nur einige hundert Einwohner vor den Toren der Altstadt lebten.

Die Bürgerschaft schafft Anreize zur Ansiedlung in der Neustadt. Jeder "frei Geborene und Unbescholtene" kann ohne Rücksicht auf Stand und Religion ein preiswertes Grundstück erwerben. Material und Finanzmittel für den Häuslebauer werden zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt. Mit dem Bürgereid können Neusiedler unentgeltlich das Bürgerrecht erhalten und sind von bestimmten Steuern befreit. Es findet jedoch keine Gleichstellung mit den anderen Bürgern statt. Bis zum Jahre 1810 dürfen Neustädter nicht dem Rat angehören.

Trotzdem nimmt die Bevölkerung zu, von etwa 3.000 in der Mitte des 17. Jahrhunderts bis auf 7.000 Einwohner in den nächsten hundert Jahren.

Den geistlichen Beistand bekommen die Neustädter von der Altstadt-Kirche St. Martini. Das an der Osterstraße gelegene Wohnhaus des Bürgermeisters Schlichting dient ab dem Jahre 1635 als Provisorium. Die Kirchengemeinde gibt sich den Namen St. Pauli. 1682 entsteht in Form einer schlichten turmlosen Saalkirche das erste Gotteshaus in der Neustadt. Wegen seiner Randlage am Ufer der Kleinen Weser wird die Kirche nicht zum Mittelpunkt der Neustadt.

Ende des 18. Jahrhunderts profitieren die Handwerker der Neustadt von einer großen Handelsblüte. Die Zahl der Wohnhäuser nimmt erheblich zu. 1802 wird aus der Festung Neustadt ein Stadtteil links der Weser. Dem Neustadtswall werden die Brustwehren abgetragen und die Wallanlagen zugeschüttet.

1810 marschieren französisch-westfälische Truppen in die Neustadt. Bremen wird Teil des französischen Kaiserreiches. Durch die Munizipalverfassung (Stadtverfassung) werden Neustädter und Altstädter gleichberechtigt. Die Industrialisierung verändert die Neustadt. Eine große Bedeutung erlangen Brauereien, die zunächst handwerklich betrieben werden. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich ein Brauereiviertelgebiet zwischen dem Neustädter Deich und der Grünenstraße. Einige dieser Brauereien gehen auf in noch heute existierende Großunternehmen.

Hinsichtlich der Verkehrserschließung bleibt die Neustadt ein Stiefkind Bremens. Der Anschluß über die Bahnstrecke nach Oldenburg erfolgt zu spät und ist für die hier ansässigen Industriebetriebe unzulänglich.

Vor dem ersten Weltkrieg entwickelt sich die Industrie im Westteil der Neustadt. Dadurch wird aber die Ausweitung der Wohngebiete blockiert. Bis zum zweiten Weltkrieg leben nur rund 12.000 Menschen in der Neustadt.

Durch die Nähe der Neustadt zu "kriegswichtigen" Zielen ist sie am Ende des Krieges fast vollständig ausgelöscht. 1950 zählt die Bevölkerungsstatistik lediglich 3.800 Einwohner. Der mit der Entwicklungsgeschichte der Neustadt so vertraute Herbert Schwarzwälder ist in seinen Publikation der Auffassung, dass sich die Neustadt beim Wiederaufbau nicht vom Grunde auf neu gewandelt habe. Das Gewicht der Industrie zeigt sich an der Weserseite sowie im Ortsteil Neuenland -neudeutsch auch Airport-Stadt genannt.

In der Neustadt - dem größten Bremer Stadtteil - leben 43.266 Menschen (Stichtag: 31.12.2008). Die Neustadt liegt auf der Hauptentwicklungsachse Bremens, die sich von der neuen Airport-Stadt (Ortsteil Neuenland) über die Alte Neustadt, der Altstadt bis zur Universität / Technologie-Park erstreckt. Die Neustadt ist Sitz bedeutender Großbetriebe unter anderem aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Sie verfügt über attraktive Wohngebiete - zum Teil mit Wohnmöglichkeiten direkt am Wasser - sowie über kleinteilige Gewerbelagen.

In ihren "Stadtmauern" beherbergt die Neustadt überregionale Einrichtungen wie zum Beispiel den Airport, die Hochschule Bremen mit 4 Standorten im Stadtteil und die Deutschlandzentrale der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger mit einer angeschlossener Werft.

Der Stadtteil kann gute Angebote an sozialer Infrastruktur, Bildung und Wissenschaft vorweisen. Im Einzugsbereich des Buntentors hat sich eine "Kulturmeile Neustadt" etabliert mit so bedeutenden Einrichtungen wie der Shakespeare Company, dem Neuen Museum Weserburg, der Gesellschaft für aktuelle Kunst (GAK), dem Künstlerhaus am Deich, des Kunst- und Künstlerzentrums in der Schwankhalle, der Musikerinitiative Bremen (MIB), der Städtischen Galerie Buntentor und dem Schnürschuhtheater. Diese Kulturmeile versteht sich zum Teil als Experimentierbühne und entwickelt sich ergänzend zu der etablierten Kulturmeile auf der rechten Seite der Weser.